Das Fach Handarbeit & Werken hatte ich von der 1. Klasse Grundschule bis etwa 8./9. Klasse Gymnasium. (Ich bin in Bayern zur Schule gegangen.) Die Grundbegriffe des Webens, Nähens (Hand & Maschine), Häkelns, Strickens, Batikens, Färbens und Stickens habe ich in der Schule gelernt. Ebenso den Umgang mit Werkzeug, Holz, Papier, Stein und Blech. Es gab Lehrkräfte, die kein Gespür für die Vermittlung der Techniken hatten und welche, die auch einem noch so unbegabtem Kind Freude an "Wollwunderwerken" bescheren konnten.
Eins dieser Luxus-Exemplare von Handarbeitslehrerinnen durfte ich drei Jahre lang genießen. Bei ihr durften wir das stricken, häkeln oder nähen, was wir selbst wollten, wenn die auf dem Lehrplan stehende Verarbeitungstechnik in dem Stück verwendet wurde, was sie sehr großzügig auslegte. Zusammen mit einer tollen Kollegin bot sie an vier Nachmittagen diverse Neigungsgruppen an (so hieß der freiwillige Wahlunterricht bei uns, egal ob Handball, Stricken oder Steno). Die Handarbeitsgruppen waren stets sofort ausgebucht von Mädchen und Buben.
Im familiären Umfeld war Nähen und Stricken präsent. Meine Omi väterlicherseits war Schneiderin, nähte tolle Kinderkleidung für uns und sie strickte gern, sowie sehr gut. Leider wohnte sie sehr weit weg und ich erkannte damals nicht, daß ich bei Besuchen bei ihr enorm viel hätte lernen können. Meine Oma mütterlicherseits war Köchin, wohnte im selben Ort und nutze die Nähmaschine für Änderungen und Ausbesserungen. Sie konnte auch gut stricken, mochte es allerdings nicht so gern. Sie hatte eine außergewöhnliche Geduld mit mir und bei ihr durfte ich üben, sowohl am Kochtopf als an der Nähmaschine und mit den Stricknadeln. Meine Mama (Hauswirtschafterin) war die Zweck-Handarbeiterin. Sie machte nur das, was gemacht werden mußte. Es fehlte ihr die Zeit mit Familie und Beruf, sowie die Muße es mir zu vermitteln. Ihr liebstes Hobby war/ist Schwimmen, das sie mir und meinem Bruder bereits im Vorschulalter beibrachte. Mein Papa (Schreiner) saß daheim öfter an der Nähmaschine als meine Mama. Es machte ihm viel Spaß und da er als Kind meiner Omi assistierte, ist er in meinen Augen ein halber Schneider. Vom Paps lernten mein Bruder und ich Löcher in Holz und Wände bohren, Leimen, Schleifen, Tapezieren, Autoräder wechseln, Kabel löten und all das, was für den Haushalt so nützlich sein kann.
Meiner Meinung nach gehören die Grundlagen des handwerklichen Arbeitens (Werken, Malen, Töpfern, Basteln, Stricken, Nähen etc.) und Hauswirtschaft genauso in den Schulunterricht wie z.B. Sprachen, Deutsch und Sport. Wenn sich das im häuslichen Umfeld vertieft, ergänzt und erweitert ist das prima, wenn nicht, dann steht es jedem frei, die Grundlagen aus der Schule weiterzuentwickeln oder eben auch nicht.
Mein Spaß am Handarbeiten war und ist mal weniger und mal mehr vorhanden. Mal mache ich sehr wenig, mal sehr viel.