Die Idee, Oberstoff und Futter gemeinsam wie eine Lage zu verarbeiten, ist bestimmt nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich meine, es kommt bei „Lynda Maynard“ – Professionell schneidern. Zumindest ist dieses Buch voll von pfiffigen Anregungen in solche Richtung. Und wahrscheinlich kommt es noch an etlichen weiteren Stellen.
So richtig eingestiegen mit dem Nähen bin ich in den 90ern. Und da habe ich mir sehr viele Schnitte und Verarbeitungsdetails dadurch organisiert, dass ich von Kauf-Kleidung abgekupfert habe. Ich meine, in der Zeit ging das auch „so richtig“ los, dass alles (auch eigentlich Billig-Produkte) irgendwie ein schickes Label brauchte. Und eben auch schicke Details – durchaus auch zur Destinktion des Labels …
Es lohnt sich auf jeden Fall, immer mal auf pfiffige Ideen / Details zu achten, jede Anregung zu nutzen, sei es an anderen Stücken, sei es in der Literatur, egal ob auf Papier oder elektronisch.
Gleichzeitig geht mit meiner Näh-Sozialisation aber auch einher, dass ich zuweilen immer noch sehr schludrig mit Fragen der Passform umgehe, weil ich wirklich jahrelang „passen“ verwechselt habe mit „reinpassen“. Das kommt jetzt noch gelegentlich vor …
Z.B. liegt da ein zugeschnittenes Sommer-Blüschen. Bei dem sitzen die Brustabnäher viel zu hoch, weil ich einfach gedankenlos kopiert habe. Es ist mir irgendwann ein- und aufgefallen, noch nicht mal, als ich es in Angriff genommen habe, um endlich einmal dran weiter zu machen … Weiß noch nicht, was ich damit anstelle …
Oder dieses Blusenshirt, das ich da neulich genäht habe: Das habe ich schonmal gemacht, rein aus Webware. Damit funktioniert der Schnitt aber nicht. Hätte ich wissen müssen. Habe ich auch gewusst und von Anfang an die Ärmel weiter zugeschnitten. Ich musste aber auch an der Hüftweite ziemlich basteln und noch Keile einsetzen, bis es als bequemes Kleidungsstück tragbar war.
Warum um alles in der Welt komme ich auf die Idee, ausgerechnet bei mir könnten die Gesetze der Materialeigenschaften außer Kraft gesetzt sein???